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Altes Papier

Geschichtliches

1408

1463

1495

Als die "Imsweiler Mühle" Anfang des 15. Jahrhunderts gebaut wurde, sah die Welt noch anders aus: Amerika war offiziell noch unentdeckt und die ritterlichen Landesherren thronten auf mächtigen Burgen, wo sie über ihren Besitz und ihre Untertanen wachten. Heute nennt man diese Zeit das späte Mittelalter. 

 

Das Dorf Imsweiler wurde 1415 von den Raugrafen an den pfälzischen Kurfürsten verkauft. Das Dorf unterstand 1415 bis 1792 als kurpfälzische Schultheißerei mit Zollstation dem Unteramt Rockenhausen (Oberamt Alzey, später Lautern).

 

Zur Imsweiler Schloßmühle, auch Dorfmühle genannt:

Der Name Schloßmühle rührt von einem kleinen Schloß am Zusammenfluß des Mo­schelbachs und der Alsenz, das dem Adelsgeschlecht der Flersheimer ge­hörte.

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Erbaut im Jahr 1409 war die Dorfmühle in raugräflichem Besitz.

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Am 3. Januar 1463 bestätigen die Gebrüder Emmerich und Adam von Randeck, daß Raugraf Otto, Herrn zu Neuen- und Altenbaumburg, ihnen und ihren Erben die Burg Imsweiler mit allem Zugehör verschrieben hat, ausgenommen 10 Malter Korn auf die Mühle zu Ims­weiler.  Im Zuge des französischen Nationalgüterverkaufs wurde die Dorfmühle Imsweiler veräußert.

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Am 24. Juni 1495 verkaufte Johann von Hatzfeld zu Wildenberg aus dem Erbe seiner Frau Anastasia von Dhurn, seinem Schwager Phil­ipp Jacob von Flersheim um

7.000 Gulden das Schloß in Imsweiler und die Mahlmühle bei dem Schloß. 

Vorbesitzer dieses kurpfälzi­schen Lehens waren laut Kaufvertrag [Anm. d. Verf.: dessen Original im Staatsarchiv Darmstadt im 2. Weltkrieg verbrannte] war

Barbara von Dhurn (oder Dürn) geb. Rudt von Bödigheim (die Schwiegermutter Johanns von Hatzfeld), davor Hans Hausner von Windbuch, Ja­cob Holzhag und

Carl von Löwenstein.  

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Im Jahr 1595 zum sog. Flörsheimer Schlösschen gehörig. 

 

 

Verfall bzw. der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg. 

 

Nach dem Aussterben der Flersheimer 1655 fielen Schloß und Mühle an den Lehensherrn zu­rück, und stand nun infolge der kurpfälzischen Erbteilung der Linie Pfalz-

Simmern zu. Pfalzgraf Ludwig Heinrich von Pfalz-Sim­mern vergab die Mühle mit Erbbestandsbrief vom 25. Mai 1655 an den Johannes Schön, Müller in Otterberg. 

 

Nach Verfall bzw. Zerstörung im 30-jährigen Krieg erfolgte der Wiederaufbau 1660 durch Johannes Schön aus Otterberg. Über seine Tochter Anna Rosina Schön (mit dem

Müller Johann Culmann) fiel die Schloßmühle an Johann Culmann.

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Ende 17. Jahrhundert

 

Durch die weiteren Kriege Ende des 17. Jh. wurde die Mühle stark mitgenommen und wurde wiederum fast völlig zugrunde gerichtet. Die Tochter aus der Ehe der Anna

Rosina Schön mit dem Müller Jo­hann Culmann, NN. Culmann (wohl Maria Susanna Cul­mann [?], ~ 25.2.1683 in Otterberg, † vor 1725) heiratete den Müller Johann Simon

Rahm. Dieser steckte sein ganzes Geld in den Wiederaufbau und erhielt am 6.10.1725 [Anm. d. Verf.: nach dem Tod seiner 1. Frau] den alleinigen Erbbestand an der

Schloßmühle. Rahm heiratete in 2. Ehe 1725 die von der Rußmühle bei Marienthal stammende Müllerstochter Anna Catharina Berg, die ihrerseits in 1. Ehe mit dem Müller auf

der Schleifmühle Imswei­ler, Andreas Kremb († 1724 Imsweiler) verheiratet war. Nach dem Tod des Johann Simon Rahm führte dessen Witwe Anna Catharina Berg die Mühle

weiter. 1738 ist als Erbbeständerin die Witwe des Simon Rahm bezeichnet . Der Gefällver­weser Kummer in Rockenhausen (Anm.: es handelt sich Erasmus Ignatius Kummer)

stellte der Witwe Berg ein gutes Zeug­nis aus. Diese habe die Mühle in bestem Stand gehalten und viel Geld darin verbaut. Anna Ca­tharina Berg († 8.9.1742 beerd. Imswei­ler)

übertrug 1738 die Schloßmühle auf ihren Sohn aus 1. Ehe, Johann Georg Kremb. Die Übertragung wurde am 28.2.1739 geneh­migt.

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Die Schloßmühle ist im Bestandsverzeichnis der Mühlen im kurpfälzischen Unteramt Rockenhausen von 1738 aufgeführt; die Erb­pacht beträgt 4 Ma Korn für den Wasserfall,

10 Ma als Pacht an die Amtskellerei Rockenhausen; der Pfarrer erhält 2 Ma Korn und 1 1/2 Ma Schweinefutter (seit 1668). Zur Lage und Beschaffenheit der Mühle gibt es zwei

von Geometern verfaßte Beschrei­bungen (Renovationen) mit Plänen, die erste von Renovator Krönert von 1751, die zweite von Geometer Etienne von 1771. Da­nach bestand die technische Einrichtung aus 2 Wasserrädern, 6 Schuh Wasserfall. 

 

1753 sollte eine neue, kürzere Zufahrt über den Damm des Schloßgrabens abgelegt werden. Diese Arbeit wurde zwar begonnen, aber nicht vollendet. Aus unbekannten Gründen wollte Kremb die Mühle selbst nicht weiter betreiben. Er stellte 1755 den Antrag, seinen Betrieb an den Mennoniten Johann Licht, den Enkel des benachbarten

Schloßgutpächters Christian Licht verpachten zu dürfen. Die Hofkammer Mannheim gab die Genehmigung nicht an Licht, sondern an einen Philipp Finck aus Winnweiler.

1765 wurde die Mühle wieder einmal repariert. Dreizehn Jahre später übergab Johann Georg Kremb die Mühle 1778 an seinen Sohn Philipp Kremb. 

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18. bis 19. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert folgte ein häufiger Wechsel der Erbbestandsmüller. 

 

Im Jahre 1809 wurde die Mühle versteigert. Sie ging an Johann Adam Limbacher aus Adenbach (Odenwald) über. Ihm folge sein Sohn Karl Adam um 1850 in der Führung

und den Besitzrechten der Mühle. Als letzter Limbacher der alten Linie erbte 1891 Sohn Ludwig den Besitz. Ludwig hatte einen Sohn namens Karl. Am 4. April 1916 fiel Karl

im ersten Weltkrieg. Da durch den Tot des Sohnes Karls, keine Erben vorhanden waren, suchte Ludwig Limbacher einen Nachfolger, wobei zwei Gesichtspunkte

ausschlaggebend sein sollten. Der neue Mann musste den Namen Limbacher tragen und er sollte Müller sein. In der Urheimat der Limbachers, in der Nähe von Rothenburg

ob der Tauber fand er den Gesuchten, Heinrich Limbacher, der die Voraussetzungen erfüllte. 1933 übernahm dieser die Mühle, die zu den wenigen Mühlen zählte, die bereits

mit einer Turbine ausgestattet war. Er war der letzte Müller, der die Mühle, eines stattlichsten Mühlenanwesen des Alsenztals, betrieb. 

 

Erbauung des spätklassizistischen Wohnhauses 

 

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Erbauung des Mühlenteils, ein großvolumiger, langgestreckter, zum Teil verputzter Bruchsteinbau. Südseitig abgewalmtes Satteldach mit Biberschwanzdeckung über

auskragendem Traufgesims. Sandsteingliederung. Die Eingänge mit profilierter Rahmung auf Stirn- und Hofseite (zweiteilige, geschnitzte Türblätter des 19. Jh.) durch

doppelläufige Freitreppen akzentuiert. Die südliche Tür mit Gesimsverdachung; im Oberlicht hölzernes Ziergitter (Müllerzeichen), über dem Sturz bez. LUDWIG LIMBACHER

1832 KATHARINA (…). Der nordseitige, baulich einbezogene Mühlenteil mit funktionsfähigem Mahlgang. 

 

Giebelseitig ein 1889 datierter Türsturz vermauert. Der Mühlgraben in seinem Verlauf unverändert. Aufwendige Garteneinfriedung mit Sandsteinpfeilern. 

 

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Die Mühle stand von 1809 bis 1979 im Eigentum der Familie Limbacher. Die südliche Tür des Wohnhauses ist über dem Sturz be­zeichnet mit „Ludwig Limbacher 1832

Katharina“. Der nordseitige, baulich ins Gebäude einbezogene Mühlenteil besitzt einen funk­tionsfähigen Mahlgang. Der Pferdestall ist bezeichnet mit „Ludwig Limbacher 1898

Luise Linxweiler“. Erdgeschossig von außen zu bedienende Schweineställe mit sich in Stichbogenarkaden öffnendem Laufgang, außerdem ein weiteres kleindimensioniertes

ehemaliges Wohnhaus in der zweiten Hälfte des 19. Jh. als Bürgermeisteramt genutzt, und das veränderte Backhaus (früher Getreidespeicher). Der Mühlgraben ist in seinem Verlauf unverändert. Eines der stattlichsten Mühlenanwesen des Alsenztals, von großer Bedeutung für die Ortsgeschichte.

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20. Jahrhundert

 

Mühlen haben in der Vergangenheit eine große Rolle gespielt. Sie hatten die Aufgabe, die Bevölkerung mit Nahrungsmittel zu versorgen. Durch die Industrialisierung am Ende des 19. Jahrhunderts sind viele Mühlen von der Bildfläche verschwunden. Heute gibt es nur noch wenige Mühlen, eine davon steht bei uns in Imsweiler. Doch hört man hier keine Mühlräder mehr klappern, auch drehen sich längst keine Mahlsteine mehr.

 

Bäckermeister Knut Happel aus Kaiserslautern hatte die Mühle 1978 gekauft und suchte einen Weg, den Mühlenbetrieb mit den damals stark vernachlässigten Nebengebäuden wieder rentabel zu machen. Da Happel in Kaiserslautern selbst noch eine Bäckerei betrieb, setzte er in Imsweiler die Eheleute Friedrichs aus dem Rheinland als Verwalter ein. Ein Nebengebäude der Mühle wurde zur Bäckerei umfunktioniert. Bald verließen 500 Brote täglich, am Wochenende sogar bis zu 900 Brote, die in einem Steinbackofen gebacken wurden, die Mühle. Weit über Imsweiler hinaus bekannt war das Mühlenbrot, das aus naturreinem Sauerteig hergestellt wurde.

 

Im Jahre 1987 übernahm Knut Happels Sohn Ulrich mit seiner Ehefrau Heide die Bäckerei. Sie sorgten viele Jahre dafür, dass der Betrieb florierte. Gerne erinnert man sich an die Dixielandfrühschoppen, die in den Jahren 1982-94 Gäste aus Nah und Fern anlockte.

 

Nach Erreichung des Rentenalters gab Knut Happel die Bäckerei auf. Im darauffolgenden Jahr errichtete er in seinem denkmalgeschützten Anwesen die 1. Pfälzische Museumsbäckerei. 

 

2002 bis 2014 war die Mühle im Privatbesitz.

 

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Im Jahr 2014 wurde die in die Jahre gekommene Mühle von der Familie Täubert gekauft. 

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1595

1618-1648

1655

1660

1738

1753

1809

1832

1885

1889

bis 1979

1978

1987

1997

2002

2014

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